
Gitarren-Hammer-ons und Pull-offs: Ein Zupfen, zwei Töne
Wähle Saite 1, greife sie am ersten Bund und zupfe. Dieser eine Anschlag versetzt sie in Schwingung und ergibt ein klares F. Setze nun ohne erneutes Zupfen einen zweiten Finger fest auf den dritten Bund. Die Saite schwingt noch, der neue Finger verändert ihre schwingende Länge: Du hörst G. Ein Zupfen, zwei Töne. Das ist eine Gitarrenbindung, mit eigenem Namen für jede Richtung: aufwärts Hammer-on, abwärts Pull-off. Dieser Artikel erklärt das Zeichen in Notensystem und TAB, beide Techniken auf Saite 1 und das Üben in gleichmäßigem Tempo.
Der Bogen im Notensystem
In gewöhnlicher Notation verbindet ein Legatobogen zwei oder mehr Töne verschiedener Höhe. Auf der Gitarre erscheint derselbe Bogen sowohl im Violinsystem als auch in der TAB-Zeile darunter. Er bedeutet in beiden dasselbe: Der erste Ton der Gruppe wird gezupft oder angeschlagen, die übrigen erzeugt allein die Greifhand.

Aufsteigende Gitarrenbindung in Noten und TAB. Der Bogen verbindet zwei Töne: Bund 1 wird gezupft, Bund 3 nur durch die Greifhand erzeugt. Eine halbe Pause füllt Zählzeit 3 und 4.
Unterscheide Legato- und Haltebogen, denn beide nutzen dasselbe gekrümmte Zeichen. Ein Haltebogen verbindet zwei Töne gleicher Höhe: Spiele den ersten und halte ihn für die addierte Dauer; kein zweiter Anschlag und keine zweite Tonhöhe. Ein Legatobogen verbindet Töne verschiedener Höhe und zeigt einen von der Greifhand erzeugten Tonwechsel. Ein Bogen zwischen F und F ist ein Haltebogen, zwischen F und G ein Legatobogen. Das Blatt „Haltebögen und Legatobögen“ übt diese Unterscheidung, bevor Technik ins Spiel kommt.
Gitarrennotation hat eine weitere Leseebene, die Anfänger manchmal verwirrt: Das System ist eine Oktave höher notiert, als die Gitarre tatsächlich klingt. Das notierte F auf der obersten Linie des Gitarrensystems, im gewöhnlichen Violinschlüssel F5, klingt als F auf Saite 1, Bund 1, eine Oktave tiefer. Jeder geschriebene Ton hier klingt eine Oktave tiefer; lies die notierte Tonhöhe und vertraue der TAB-Bundnummer.
Ein Zupfen, eine Aktion der Greifhand
Ein Legatobogen lässt sich als zwei Anweisungen lesen: eine für die Zupfhand, eine für die Greifhand.
Die Zupfhand erledigt am Anfang des Bogens ihre normale Aufgabe: Sie zupft die Saite. Danach ist sie für diese Bindung fertig und wartet auf den nächsten Ton, der gezupft werden muss.
Die Greifhand übernimmt für den zweiten Ton eine neue Aufgabe. Diese unterscheidet sich je nachdem, ob die Bindung auf- oder abwärts geht.
Beide Hände sind beteiligt, haben aber zu verschiedenen Zeitpunkten eigene Rollen. Vor der Bindung liegt die Greifhand bereits am ersten Bund. Beim Zupfen arbeitet die Zupfhand, während die Greifhand ihre Stellung hält. Danach ruht die Zupfhand, und die Greifhand übernimmt: Sie setzt aufwärts einen neuen Finger auf oder löst abwärts einen Finger kontrolliert. Verstehst du diese Übergabe vor dem körperlichen Versuch, weißt du bei Problemen, was zu üben ist: Fehlt der zweite Ton, liegt es an der Greifhandaktion, nicht am Zupfen.

Der Legatobogen überspannt zwei Notenköpfe. Auf der Gitarre wird der erste Ton gezupft, der zweite allein durch die Greifhand erzeugt.
Diese Arbeitsteilung lässt eine Bindung anders wirken als zwei einzeln gezupfte Töne. Beim zweimaligen Zupfen arbeiten beide Hände zweimal. Bei der Bindung handelt die Zupfhand einmal, und die Greifhand liefert die Energie für den zweiten Ton. Der Übergang klingt weicher und verbundener, anders als zwei getrennte Anschläge.

Die beiden Greifhandaktionen nebeneinander. Beim Hammer-on kommt zuerst das Zupfen, beim Pull-off zuerst die Vorbereitung.
Hammer-on: aufwärts zum dritten Bund
Eine aufsteigende Bindung vom tieferen zum höheren Ton wird als Hammer-on ausgeführt. Bund 1 auf Saite 1 ergibt F, Bund 3 das einen Ganzton höhere G. Diese Bünde nutzen die Übungen dieser Lektion. Das Blatt „Halb- und Ganztonschritte“ bestätigt ihre Beziehung und warum zwischen Bund 1 und 3 ein Bund übersprungen wird.
So geht das Hammer-on: Setze Finger 1, den Zeigefinger, am ersten Bund auf Saite 1. Halte ihn gedrückt, auch nach dem Zupfen. Zupfe Saite 1 mit der Zupfhand: F erklingt. Während die Saite noch schwingt, setze Finger 3, den Ringfinger, fest am dritten Bund derselben Saite auf. Triff den Bund mit genug Kraft, dass der neue Kontaktpunkt die schwingende Saitenlänge verändert und ein klares G erzeugt. Du hörst G ohne zweites Zupfen.

Finger 1 greift den ersten Ton, Finger 3 hämmert auf Bund 3. Beide bleiben nach der Bindung in Kontakt.
Wichtig: Finger 1 bleibt während und nach dem Hammer-on auf Bund 1; Finger 3 kommt mit entschlossener Abwärtsbewegung statt zaghafter Berührung, und die Zupfhand zupft nicht erneut. Klingt der zweite Ton nicht, prüfe, ob Finger 3 dicht hinter dem Bunddraht auf dem Griffbrett landet, die Saite vollständig bis zum Holz drückt und beim Aufhämmern noch Schwingung vorhanden ist. Beide Töne sollen hörbar sein und ihre notierte Vierteldauer halten.
Ein häufiger Anfängerfehler ist, beim Hammer-on versehentlich erneut zu zupfen. Spiele dann langsamer und beobachte ausdrücklich die Zupfhand: Nach dem ersten Zupfen bleibt sie still, statt zur Saite zurückzuwandern. Später wird das automatisch, am Anfang braucht es bewusste Aufmerksamkeit.
Pull-off: abwärts vom dritten Bund
Eine absteigende Bindung vom höheren zum tieferen Ton wird als Pull-off ausgeführt. Du gehst von Bund 3, G, zu Bund 1, F. Ein entscheidender Unterschied zum Hammer-on: Der Finger am tieferen Bund muss vor dem Zupfen vorbereitet sein.

Vor dem Zupfen an Bund 3 liegt Finger 1 bereits auf Bund 1. Das Pull-off zieht die Saite dann seitlich oder abwärts, damit Bund 1 erklingt.
Darum ist Vorbereitung wesentlich: Beim Pull-off wird die Saite am höheren Bund freigegeben, während der tiefere Finger schon Kontakt hat. Zieht Finger 3 von Bund 3 ab, schnellt die Saite gegen den unteren Finger an Bund 1; dieser Kontakt versetzt sie auf der kürzeren Länge in Schwingung, F erklingt. Fehlt Finger 1, gibt es keinen unteren Kontaktpunkt, und die Saite verstummt nach dem Lösen von Finger 3. Ein stummer zweiter Ton liegt fast immer an ausgelassener Vorbereitung.
So geht das Pull-off: Setze zuerst Finger 1 auf Bund 1 der Saite 1. Halte ihn gedrückt und setze Finger 3 auf Bund 3 derselben Saite. Zupfe jetzt: G erklingt. Ziehe für F den dritten Finger mit leichter Abwärts- oder Seitwärtsbewegung zur Handfläche von der Saite. Die Bewegung soll sie sanft greifen und energieliefernd freigeben. Finger 1 bleibt liegen und begrenzt sie an Bund 1. F erklingt ohne erneutes Zupfen.
Das Blatt „Zwei Töne, ein Zupfen“ zeigt die Greifhandaktion für beide Richtungen und bietet eine viertaktige Durchspielübung. Arbeite es vor intensivem Üben durch, um die Vorbereitungsregel zu verstehen, bevor das Bewegungsgedächtnis übernimmt.
Ein gelungenes Pull-off klingt deutlich anders als ein misslungenes. Gelungen ergibt es ein klares, resonantes F: Der abziehende Finger erzeugt aktiv den Klang. Misslungen entsteht Stille oder höchstens schwaches Schnarren. Hörst du den Unterschied zuverlässig, ist dein Gehör darauf eingestellt, und du kannst diese Rückmeldung auch ohne Beobachter nutzen.
Beide Töne gleich lang halten
Eine Bindung verändert den Rhythmus nicht. Beide Töne behalten ihre notierte Dauer, hier je eine Viertel. Auf Zählzeit 1 kommt der gezupfte, auf 2 der gebundene Ton. Beide Schläge sind gleich lang.

Beide gebundenen Töne sind Viertel; Zählzeit 1 und 2 dauern gleich lang. Die halbe Pause umfasst 3 und 4.
Der häufigste Timingfehler ist ein zu früher zweiter Ton. Die Konzentration auf die Greifhand lässt Hammer-on oder Pull-off voreilen und verkürzt den ersten Ton. Zähle laut dagegen: „eins“ beim Zupfen, „zwei“ bei der Greifhandaktion. Bei 60 Schlägen pro Minute dauert jede Zahl genau eine Sekunde; vor der Bindungsaktion steht also eine volle Sekunde Schwingung zur Verfügung.

Zähle 1 für den gezupften und 2 für den gebundenen Ton; die halbe Pause ist 3 und 4. Bei Viertel = 60 dauert jede Zahl eine Sekunde.
Die halbe Pause auf 3 und 4 gibt Zeit zur Vorbereitung des nächsten Takts vor dem nächsten Zupfen. Nutze sie aktiv: Greifhand neu einrichten, nächste Fingerplatzierung bestätigen, atmen. Pausen sind keine leere Zeit, sondern ein Vorbereitungsfenster. Das Blatt „Noten und Pausen“ wiederholt das genaue Lesen und Zählen, falls du vor der Viertaktübung die Pausenwerte auffrischen möchtest.
Die beiden Klänge vergleichen
Höre vor dem Bindungsdrill den Unterschied zu zwei einzeln gezupften Tönen. Wähle dieselben Tonhöhen, F an Bund 1 und G an Bund 3, und zupfe beide im selben Tempo einzeln. Achte auf die zwei Anschläge, die kurze Stille zwischen den Tönen und den leicht perkussiven Charakter jedes Zupfens.
Spiele dasselbe Paar jetzt gebunden. Der Übergang F–G ist glatter, ohne zweiten Zupfanschlag und ohne Lücke. Der erste Ton fließt in den zweiten. Diese Verbindung heißt manchmal legato, vom italienischen Wort für „gebunden“.

Zwei Takte mit denselben Tonhöhen. Links beide einzeln gezupft, zwei Anschläge. Rechts gebunden: einmal zupfen, zweiter Ton durch die Greifhand.
Am deutlichsten wird der Unterschied im Wechsel. Spiele Takt 1 gezupft, Takt 2 gebunden und vergleiche. Dein Ohr erkennt den Wechsel sofort. So prüfst du, ob die Greifhand tatsächlich einen neuen Ton und nicht nur eine leisere Version der ersten Tonhöhe erzeugt.

Ein Takt mit zwei gebundenen Paaren. Jeder Bogen beginnt mit Zupfen, seinen zweiten Ton erzeugt die Greifhand. Insgesamt vier Töne und zwei Zupfanschläge.
Bei zwei aufeinanderfolgenden Paaren wie oben zähle die Zupfanschläge genau. Vier Noten sind geschrieben, aber nur zweimal wird gezupft: am Anfang jedes Bogens. Die Greifhand erzeugt die anderen zwei Töne. Das Blatt „Zähle die Noten, dann das Zupfen“ übt die genaue Bestimmung, welche Noten einer Phrase gezupft werden müssen und welche nicht.
Eine Viertaktübung
Die Übungen im Blatt „Zwei Töne, ein Zupfen“ wechseln über vier Takte zwischen aufsteigenden Bindungen in ungeraden und absteigenden in geraden Takten.

Die Viertaktübung aus „Zwei Töne, ein Zupfen“. Takt 1 und 3 steigen von Bund 1 zu 3, Takt 2 und 4 fallen von 3 zu 1. Auf 3 und 4 steht eine halbe Pause.
Jeder Takt folgt demselben Plan: zwei Viertel mit Legatobogen, dann halbe Pause. Nur die Richtung wechselt. In Takt 1 und 3 setzt du Finger 1 auf Bund 1, zupfst und hämmerst Finger 3 auf Bund 3. In Takt 2 und 4 setzt du Finger 1 zuerst auf Bund 1, dann Finger 3 auf Bund 3, zupfst und ziehst ab.
Der Taktwechsel verlangt Planung in der halben Pause. In Takt 1 weißt du beim Pausenbeginn, dass Takt 2 abwärts bindet. Sorge während der Pause dafür, dass Finger 1 bereits auf Bund 1 liegt und vor dem Zupfen bereit ist. Einen Takt vorauszudenken lohnt sich beim Pull-off sofort, da die Vorbereitung vor Taktbeginn geschehen muss.
Vorschlag: Stelle das Metronom auf 50 oder 60 Schläge pro Minute und zähle laut. Spiele Takt 1, pausiere und atme durch die halbe Pause, dann Takt 2 und so weiter. Gelingt alles ohne Unterbrechung, wiederhole als Schleife. Vier Takte dauern bei 60 BPM sechzehn Sekunden: kurz genug für viele Wiederholungen in einer kurzen Einheit, lang genug, um Gleichmäßigkeit und Verbindung zu hören.
Oft klingt das Hammer-on gut, das Pull-off aber schwach oder gar nicht. Stoppe dann bei Takt 2 und prüfe, ob Finger 1 vor dem Zupfen wirklich auf Bund 1 liegt. Setze ihn, bestätige den Kontakt, zupfe dann mit aufgesetztem Finger 3. Das Isolieren der Vorbereitung löst die meisten Pull-off-Probleme schneller als Wiederholen des ganzen Takts.

Drei Regeln für Gitarrenbindungen. Regel 2, die Pull-off-Vorbereitung, ist bei Anfängern die häufigste Fehlerquelle.
Sind die vier Takte einzeln bequem, übe durchgehende Übergänge. Nach einem absteigend gebundenen Takt zum aufsteigenden hebt sich nach dem Pull-off Finger 3, Finger 1 bleibt unten. Damit bist du für das nächste Zupfen an Bund 1 bereit. Die Greifhand arbeitet bei diesem Übergang weniger, als es scheint.

Fünf Schritte fürs Hammer-on. Folge derselben Folge beim Pull-off rückwärts, füge aber vor Schritt 2 die Vorbereitung hinzu.
Halte das Tempo so langsam, dass jeder Schritt bewusst bleibt. Geschwindigkeit entsteht aus kontrollierten Wiederholungen, nicht aus dem Durchhetzen von Fehlern. Ein langsames sauberes Hammer-on trainiert das Bewegungsgedächtnis für spätere Mühelosigkeit bei höherem Tempo. Ein schnelles ohne zweiten Ton trainiert nichts Nützliches.

Häufige Probleme und Abhilfen. Ein stummes Pull-off entsteht fast immer durch ausgelassene Vorbereitung.
Noch einmal Haltebogen und Legatobogen
Da beide auf Papier gleich aussehen, lohnt vor dem echten Repertoire ein weiterer Blick auf den Unterschied.

Links verlängert ein Haltebogen einen Ton: gleiche Höhe, kein Neuanschlag. Rechts verbindet ein Legatobogen verschiedene Höhen; auf der Gitarre wird der erste Ton gezupft, der zweite von der Greifhand erzeugt.
Frage bei einem Bogen zuerst, ob die verbundenen Töne gleich hoch sind. Gleiche Höhe: Haltebogen, weiterklingen, kein Neuanschlag. Verschiedene Höhen: Legatobogen, Greifhandaktion nötig. Speziell auf der Gitarre bedeutet aufwärts Hammer-on, abwärts Pull-off. Das Blatt „Haltebögen und Legatobögen“ prüft diesen Unterschied mit verschiedenen Beispielen im gesamten System, damit du ihn bei jedem Schlüssel und jeder Vorzeichnung schnell erkennst.
Kostenlose Arbeitsblätter zu dieser Technik
- Zwei Töne, ein Zupfen — Greifhandaktion in beiden Bindungsrichtungen; viertaktige Aufwärts-Abwärts-Übung
- Zähle die Noten, dann das Zupfen — bei einer Phrase mit mehreren Bögen Notenzahl und Zupfanschläge getrennt zählen
- Haltebögen und Legatobögen — die beiden Bogentypen vor der Technik auf einen Blick unterscheiden
- Halb- und Ganztonschritte — Intervall zwischen Bund 1 und 3 bestätigen: ein Ganzton = zwei Bünde
- Noten und Pausen — Pausenwerte und das Zählen halber Pausen in der Viertaktübung wiederholen
Quellen
Simon Powis, Classical Guitar Corner: Technique Tip — Left-Hand Slurs. Beschreibt auf- und absteigende Bindungen der linken Hand, Hammer-ons und Pull-offs, auf klassischer Gitarre: einmal zupfen pro Bogen, Zielfinger beim Pull-off vorher aufsetzen, beide Töne gleich gewichten.
Diesen Artikel online lesen: https://tissimo.co/de/articles/guitar-first-hammer-ons-pull-offs

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